Social Media Gaffer

Es gibt ja wohl nichts Schlimmeres im Straßenverkehr als den Gaffer. Er sieht ein Unglück und muss erst mal anhalten und alles genau in Augenschein nehmen. Dabei hilft der Gaffer nicht die Situation zu lösen, nein, er guckt ja nur. Im Straßenverkehr läuft Gaffen normalerweise auf Riesenstaus heraus. Nicht schön und schon gar nicht hilfreich.

Nun hatten wir gestern, eigentlich gibt es ihn schon länger aber jetzt offensichtlich, mit dem Social Media Gaffer zu tun.

Nein, ich gehe hier nicht auf den Vorfall ein, nein, ich rede auch nicht über die direkt Beteiligten, ich nenne keine Namen und werde auch nicht auf meine Meinung dazu eingehen. Mir geht es hier um die Dynamik und die Folgen! Angesprochene werden sich hoffentlich vielleicht erkennen, aber auch das ist von meiner Seite her nur ein Anstoß zum Nachdenken, kein Angriff, keine Anklage!

Zurück zum Thema und ich möchte dieses ein wenig von hinten aufrollen. Jeder kennt den Moment nach dem Abschicken einer Mail, wenn man denkt „Ach Mist, ich wollt doch den Textteil noch ändern!“ Aber es ist zu spät, die Mail ist raus, das Internet is a Bitch und der Adressat hat die Mail schon gelesen. Selbiges gilt für alle Medien, Twitter zum Beispiel, wo ich persönlich schon einige Tweets im Nachhinein bedauert habe. Sicherlich ein Grund, warum wir alle in letzter Zeit  immer wieder das Wort Medienkompetenz hören, es geht hier nicht nur um die richtige Erziehung, es geht um den bewussten Umgang!

„Innehalten und noch einmal darüber nachdenken“ ist ein sehr guter Rat. Ich persönlich halte auch von der „24 Stunden Abwarten Regel“ sehr viel, gerade bei emotionsgeladenen Themen. Geht natürlich gegen den Echtzeit-Strich, hilft aber.

Bei vielen hat diese Methode gestern nicht gegriffen und sie haben so selber eine sehr große Öffentlichkeit hergestellt, die den 2 Beteiligten, und ich meine beide, nicht geholfen hat. Die Welle der Tweets und Blogposts rollte los und war auch nicht mehr aufzuhalten. Das ist anscheinend das Prinzip Social Media. Ist das gut so? Muss das unbedingt immer so sein? Wie gesagt, hier geht es mir um das Verbreitungsprinzip, nicht um den konkreten Fall!

Einige haben dieses eventuell auch bewusst gemacht, denn Aufmerksamkeit und Reichweite war gewiss. Ich kann das nicht beurteilen, ich stecke nicht in den Köpfen anderer, aber ich glaube ja an das Gute und von daher gehe ich nicht davon aus.

Ein schönes Gleichnis zu dem Thema wurde mir heute erzählt: In den Niederlanden (?) sind Gardinen unüblich. Man kann also in die Wohnzimmer sehen. Es wird aber nicht getan, aus Höflichkeit.“

Ich möchte jetzt nicht ein allgemeines Wegsehen ausrufen, aber ich denke manchmal ist es angebracht, wenn man keine totale Öffentlichkeit durch sein Verhalten herstellt. Ich denke auch die sogenannten Experten sollten sich hier noch einmal Gedanken machen. Es kann nicht sein, dass wir die Veröffentlichung von Sachverhalten verurteilen, selbige aber dann noch ins Scheinwerferlicht ziehen. Ich will auch keine Regelwerkdiskussion anstoßen, sowas ist Quatsch! Ich fände nur ein wenig mehr Sensibilität VON ALLEN ganz gut.

Zwei Nachsätze:

1. Darüber kann man sicher gut auf dem Social Media Camp diskutieren.

2. Dieser Blogpost ist sehr bewusst ohne Namen und Links erstellt worden. Ich bitte dieses so zu respektieren! Kommentare, die in die besagte Richtung gehen, werden nicht freigeschaltet, selbiges gilt für in meiner Meinung Unsachliches.

Zu Punkt 2. gibt es gerade bei diesem Artikel keine Diskussion!

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Ein Gedanke zu „Social Media Gaffer“

  1. In diesem Fall hat ein Unfallbeteiligter den “Gaffern” dummerweise Tribünen aufgestellt.

    Wie dem auch sei: Das “Prinzip Social Media. Ist das gut so? Muss das unbedingt immer so sein?” ist es in jedem Fall wert, einmal vertiefend (und vom aktuellen Fall abstrahiert) diskutiert zu werden. Zum Beispiel mit dem Schwerpunkt, wie man solche Krisen deeskalieren kann. Ich bin dabei.

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